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Hartmut Krauss

Die Marxsche Theorie und ihre Bedeutung für eine herrschaftskritisch-emanzipatorische Gesellschafts- und Subjektwissenschaft.
Zum 200. Geburtstag eines großen Denkers
 

Osnabrück 2018. ISBN 978-3-9820336-0-0. Paperback. 106 Seiten. 10,00 €

 

Karl Marx wird gemeinhin entweder auf einen kritischen Theoretiker der kapitalistischen Ökonomie reduziert oder aber als Säulenheiliger des stalinistischen Totalitarismus dämonisiert.

Verdrängt wird dabei, dass die Marxsche Theorie einen ungebrochen aktuellen wissenschaftlichen bzw. kategorial-methodologischen Schlüssel für die kritische Analyse und emanzipatorische Bewertung zwischenmenschlicher Herrschaftsverhältnissen enthält, der über ökonomische Verhältnisse hinausgeht, insbesondere Religions- und Ideologiekritik impliziert und gerade heute im Zeichen globaler Interdependenzen und entgegen postmoderner Dogmen auch auf vormodern-nichtwestliche Gesellschaftsformen anzuwenden ist.

 

Inhalt

Einleitung

Charakter, Inhalte und Funktion des „Marxismus“

Religionskritik im Anschluss an Feuerbach als wesentliche Grundlage der Theorie von Marx und Engels

Marxʼ praxisphilosophische Kritik der
„versöhnungsdialektischen“ Grundkonstitution
der Hegelschen Philosophie

Marx und die Dialektik der kapitalistischen Moderne

Entkoppelung von
„kultureller Moderne“ und Marxscher Theorie

Die Beharrungskraft und strukturelle Relevanz traditionaler Herrschaftsverhältnisse und Legitimationsideologien als aktuelle Herausforderung

Aussagewidersprüchliche Inhalte
des „klassischen Marxismus“

Zum humanistisch-tätigkeitstheoretischen Grundgehalt der Marxschen Theorie

Literatur

 

… aus der Einleitung

Mit dem Untergang des „Realsozialismus“, der ihn zunächst begleitenden bürgerlich-kapitalistischen Triumphpropaganda und dem scheinbar unaufhaltsamen Aufstieg des Neoliberalismus galt für viele die Theorie von Marx und Engels als endgültig erledigt. Unter den Trümmern des „Realsozialismus“, so lautete die suggestive Botschaft der spätbürgerlichen „Zeitgeistmonteure“, liege mitsamt der kommunistischen Bewegung auch die von Marx und Engels begründete Befreiungstheorie begraben. Emanzipatorische Projekte jenseits von globalisierter Kapitallogik, totaler Marktwirtschaft und atomistisch-konkurrenzförmiger Vergesellschaftung gehörten fortan endgültig der Vergangenheit an. Zur kapitalistischen Zivilisation mit ihren systemspezifischen Rationalitätsstandards gäbe es fortan keine Alternative mehr. Entsprechend wurde und wird das gesamte progressive Sozialerbe seit der Aufklärung in das undifferenzierte „Schwarzbild des Kommunismus“ hineingezogen und – zumindest tendenziell – zum Vorläufertum des „Gulag“ erklärt. Wer sich diesem neoliberalen/postmodernen Zeitgeist auf nonkonforme Weise zu entziehen gedachte, der wurde mit der latenten Drohung der „Exkommunikation“ aus politischen, akademischen, kulturellen etc. Diskursen konfrontiert, im Falle von unbotmäßigem Beharren marginalisiert, ausgegrenzt und schließlich domestiziert.

Mittlerweile aber hat sich auf nachdrückliche und dramatische Weise herausgestellt, dass die Geschichte nicht zu Ende ist, sondern die antagonistisch vergesellschaftete Menschheit in ein neues Stadium globaler Widerspruchsbewegung und sich akkumulierender Krisen eingetreten ist. …

Vor diesem Hintergrund des verschärften Weiterwirkens kapitalistischer Systemwidersprüche sowie der Wiederauferstehung einer totalitären Massenbewegung in religiösem Gewand dämmert zumindest einigen klarsichtigeren Vertretern der kritischen Intelligenz, dass einmal mehr Totgesagte geistig überlebt haben. Und nicht nur das: Ohne Marxʼ und Engelsʼ zahlreiche Einsichten in die Anatomie nicht nur der bürgerlich-kapitalistischen, sondern auch der prämodern-feudalistischen, religiös legitimierten Herrschaftsverhältnisse lässt sich die dialektische Beschaffenheit der heutigen Weltzustände nicht adäquat begreifen.