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Dieter Gellhorn

Kein Islam ohne Islamismus?

 

Um sich dieser weitreichenden und in der Beantwortung evtl. folgenschweren Frage zu nähern, seien drei Zitate eines der scharfzüngigsten Autoren der Aufklärung, France Marie Voltaire und eines neuzeitlichen deutschen Politikers der Untersuchung vorangestellt:

„Was sollte man einem Menschen antworten, der einem sagt, er gehorche lieber Gott als den Menschen, und der sich infolgedessen sicher ist, den Himmel zu verdienen, wenn er einen erdrosselt?“ (Voltaire)

„... ein unverdauliches Buch, das bei jeder Seite den gesunden Verstand erschauern läßt“ (Voltaire über den Koran)

„Ist das ein Gott, der Haß befiehlt?“ (Voltaire aus seinem Theaterstück Mahomet)

„Es muss erlaubt sein zu sagen, dass der muslimische Glaube eine Verirrung ist.“ (Otto Schily)

Es soll im Folgenden die Problemstellung aber genauer entfaltet werden. Gibt es einen Zusammenhang von Islam und Islamismus? Ist das zweite gar die notwendige Folge des ersten? Daher als erstes ein paar Ausführungen zur Frage: Was ist Islam?

Der Religionsgründer war Mohamed, ca. 570 n. Chr. in Mekka oder Umgebung geboren, einer Stadt von damals etwa 22.000 Einwohnern. Ab 610, also mit 40 Jahren, trug Mohamed hier öffentlich Reden vor, die ihm seiner Überzeugung nach vom Engel Gabriel als Botschaften von Allah eingegeben wurden. Er trug diese Reden über 22 Jahre vor, ab 622 in Yathrib, der später Medina genannten Hauptstadt seines Stadtstaates bzw. Reiches, insgesamt 114 Mal in unregelmäßigen Abständen. Diese Reden wurden teilweise direkt ( so in Medina ), teilweise auch erst nach Mohameds Tod unter seinem dritten Nachfolger, dem Kalifen Uthman z.T. nach auswendig gelernten Rezitaten seiner Anhänger aufgeschrieben. Es ist so ein Buch von 6.348 Versen entstanden, die sich in 114 Reden, genannt Suren, zu Hören geben. Sie sind in dem Buch - mit Ausnahmen - der Länge nach geordnet, und zwar ab der 2. Sure. Die kürzesten Suren, die hintersten, sind nur 2 oder 3 Sätze lang. In den 22 Jahren hat sich der Inhalt der Reden verändert. Waren sie anfangs sehr verträglich: „Euch euer Glaube, mir mein Glaube“, wurde ihr Inhalt im Lauf der Zeit immer schärfer, so in der negativen Haltung zu den Zinsen, zum Wein und zu den sogenannten Ungläubigen.

Es gilt in der islamischen Geistlichkeit das Prinzip der Abrogation, d.h. die spätere Meinung des Korans hebt die frühere auf. Die beiden letzten Reden, die Mohamed gehalten hat, waren die Sure 9 und die Sure 5.

Mohamed, der Gesandte Allahs, wie er sich bezeichnete und bezeichnen ließ, war für die Bevölkerung Medinas, die mehr und mehr eine islamische Gemeinde wurde, nicht nur derjenige, der die göttlichen Reden offenbarte, er war auch derjenige, der die Gebetsriten vorgab, der oberste Gesetzgeber, der oberste Richter, derjenige, der die Steuern bestimmte und ihre Eintreibung organisierte, derjenige, der das alltägliche Leben einschließlich des Verbots von Speisen regelte, der über Krieg und Frieden entschied und der im Kriegsfall auch der Feldherr war.

Gemäß Sure 33/56, in der Spät-Medina-Zeit ( ca. 630 ) vorgetragen, verlangte er von seinen Gläubigen, mit dem Friedens- und Segensgruß angesprochen zu werden. Was er da verlangte, wird erst in der Übersetzung aus dem Arabischen klar, die, wie Tilman Nagel, einer der renommiertesten Orientalisten sagt, Fremdsprachlern immer vorenthalten wird. Sie lautet: „Allah, vollziehe zu ihm gewandt das rituelle Gebet und entbiete ihm den Friedensgruß.“

Allah wird also aufgefordert, Mohamed so zu ehren, wie der Mensch seinen Schöpfer zu ehren hat.

Bei einem Vergleich mit der Heilsformel, die in Deutschland während der 12 Jahre des sogenannten 1.000-jährigen Reiches üblich war, erkennt man sofort, was für ein metaphysischer Zwerg dessen Diktator dagegen war.

Mohamed hat in den 10 Jahren, in denen er in Medina das Sagen hatte, im Schnitt alle 7 Wochen Krieg geführt, also etwa 65 Mal. Er hat aus Yathrib, dessen Bevölkerung bei seiner Ankunft zur Hälfte jüdisch war, 2 jüdische Stämme vertrieben. Der dritte jüdische Stamm hatte sich ihm 625 nach einer Auseinandersetzung auf Gnade und Ungnade ergeben. Hier hat er die Frauen und Kinder in die Sklaverei verkauft und die ca. 600 Männer vor vorher ausgehobenen Gräbern an einem Tag auf dem Marktplatz von Medina enthaupten lassen. Eine schöne 18-jährige Jüdin, deren Vater und Mann er so hatte umbringen lassen, hat er noch am selben Tag für sich zur Sklavin und später zur Frau genommen.

Es blieben dann nur noch vereinzelte Juden in Medina übrig, verstreut unter den beiden noch nicht voll islamisierten arabischen Stämmen AUS und Chasvaradatsch.

Mohamed hat während seiner Herrschaft in Medina vor und nach der Eroberung von Mekka 630 eine Reihe von 42 Morden in Auftrag gegeben oder auf Anfrage gutgeheißen.

Gemäß 33/60: „Wahrlich, wenn die Heuchler und diejenigen, in deren Herzen Krankheit ist und die Aufwiegler in Medina nicht aufhören, so werden wir Dich gegen sie anspornen. Alsdann sollen sie nicht darinnen als deine Nachbarn wohnen, es sei denn für kurze Zeit.“

33/61: „Verflucht, und wo immer sie gefunden werden, sollen sie ergriffen und niedergemetzelt werden.“

Gemäß dieser allerhöchsten Legitimation ließ Mohamed außer den 600 Juden vom Stamm der Quzrayza und den 8 Männern von den UKIL 42 Personen, darunter einige Dichter und Dichterinnen, die Spottverse auf ihn vorgetragen hatten, töten. Von einem von ihnen war er auch bezeichnet worden als „der immer lachende Mörder“.

Diese Morde sind alle mit islamischen Quellen wie der Sira von Ishaq oder Hadithen von Buchari, Muslim oder anderen belegt. Es lässt sich in einer Tabelle nachlesen bei www.derprophet.info unter „Meuchelmorde“ und auch in dem Buch Mohamed, 20 Kapitel zum Prophet der Muslime von Tilman Nagel und auch in allen größeren Moscheen in Deutschland in den dort stehenden 18-bändigen Hadithen in türkisch in dem Kapitel Gedichte.

Es ging Mohamed offenbar um totale seelische Gleichschaltung in seinem Herrschaftsgebiet. Wenden wir uns nun nach der Sira, dem Leben Mohameds, dem Koran, diesem Vorspruch von seinem „Anderen-Ich“, dieser seiner als Rezitativ gehaltenen Rede, zu.

Mit dem Koran - das Wort bedeutet Lesung oder Rezitativ - hat Mohamed eine religiöse Veröffentlichungsform erfunden und praktiziert, die das unmittelbare Erspüren des Übernatürlichen, des Numinosen, beim Hörer in besonderer Weise ermöglicht. Die vorgetragene Rede ist zwar Prosa aber dennoch von Reimen und unterschwelliger Rhythmik durchsetzt. Vorgetragen hat er in einem Singsang, einer Cantilene, weder laut noch leise, so dass das Mithören des dem Vortragenden gleichzeitig Eingegebenen immer mitschwingt. Ereignet wird so eine Gotteserfahrung, die viel unmittelbarer ist als die aus dem Vorlesen vergangener Geschehnisse aus dem alten oder neuen Testament. Im Rezitativ des Korans steht der Hörende - über Gabriel und Mohamed und den modernen Rezitator vermittelt - in direktem Angeredet-sein durch Gott - fast wie Moses auf dem Berg Sinai. Diese Form der Rededarstellung Gottes ist nicht nur die Behauptung des Eingriffes Gottes in das Dasein des Menschen, es ist sein Vollzug, seine In-Kraft-Setzung.

Diese gesteigerte Unmittelbarkeit Gottes gegenüber christlichen Riten und Bräuchen vermag auch moderne Gemüter zu beeindrucken.

Gerade die zwingende Durchschlagskraft dieser Rezitation, die darin liegt, die Gläubigen direkt in die unmittelbare, oft appellative Ansprache des hier und jetzt gültigen Gotteswortes zu stellen, gerade in dieser spirituellen Stärke erkenne ich auch die Unheil-bringende Schwäche des Islam.

Der Zauber der Rezitation ist natürlich dahin, wenn es heißt, die Rede sei nur für eine ferne Vergangenheit gültig gewesen. Wegen des so drohenden Total-Zusammenbruchs muslimischer Spiritualität wird das Verständnis des Korans sich meiner Ansicht nach zusätzlich zu aller sonst noch bestehenden hinderlichen Dogmatik niemals historisch relativieren und kontextualisieren lassen. Alle diesbezüglichen Bemühungen einzelner Koranwissenschaftler wird die Masse der Gläubigen - wie bisher schon immer so auch in Zukunft - schon aus diesem Grund scheitern lassen. Im Gegenteil, je länger die Zeit des Propheten zurückliegen wird, umso wörtlicher - um die verloren gegangene zeitliche Unmittelbarkeit auszugleichen - hat man bisher und wird man auch in Zukunft die Rezitate des Koran verstehen wollen.

Und so werden auch in Zukunft in der Lesung des Koran - z.B. in den Moscheen im Monat Ramadan - nach uraltem Muster weiterhin die ewig gleichen Eiferer auf dem Weg Allahs produziert werden - fast so wie Autos am Fließband einer Werkzeughalle nach einem einmal fertig-gestellten Bauplan, nur dass dieser alle paar Jahre modernisiert wird.

Und nun ein Blick auf verschiedene Verse des vom Anspruch her zeitlos gültigen Korans. Fangen wir mit den friedlichen Versen an, z.B.

2/186 „Und bekämpft in Allahs Pfad, wer euch bekämpft; doch übertretet nicht. Allah liebt nicht die Übertreter.“ (D.h. nach gängiger Interpretation: nicht die Angreifer.)

Eigentlich ist es ein Segen, dass es diesen Vers gibt. Leider ist er aber schon früh aus seinem Zusammenhang relativiert worden, so von Ibn Ishaq, dem berühmten Mohamed-Biograf aus dem 8ten Jahrhundert, der sich auf 2/189 stützt ( also 3 Verse später ):

„Und bekämpft sie, bis die Verführung aufgehört hat, und der Glauben an Allah da ist. Und so sie ablassen, so sei keine Feindschaft außer wider die Ungerechten.“

Das oberste Ziel ist also, den Glauben an Allah herzustellen. Die schlimmste der Sünden ist Unglauben (Kufr) und Polytheismus (Shirk).

Die bloße Existenz eines Ungläubigen aber bedeutet schon eine Aggression gegen Allah und rechtfertigt daher den Kampf, da es deshalb ein Verteidigungskampf ist. Es gibt ein diese Auffassung unterstützendes Hadith von Mohamed: „Mir ist aufgetragen gegen die Menschen zu kämpfen, bis sie die Tatsache anerkennen, dass es keinen Gott außer Allah gibt und sie daran glauben, dass ich der Prophet bin und an alles, was ich gebracht habe. Wenn sie das tun wird ihr Gut und Blut geschützt und die Abrechnung mit ihnen obliegt Allah.“ (Überliefert als Teil der Predigt bei der Abschiedswallfahrt Mohameds und in fünf Belegen bei al-Buchari und auch bei Sahih Muslim, englische Ausgabe Bd I Seite 17) Dies ist u.a. eine deshalb so wichtige Stelle, weil die Imitation des Verhaltens Mohameds für einen Moslem die neben dem Tod als Sahid einzige Sicherheit bietet, ins Paradies zu gelangen.

Die Notwendigkeit des Kampfes gegen die Ungläubigen wird auch durch Vers 187 der gleichen Sure 2 gestützt, in dem der Satz vorkommt: „Verführung ist schlimmer als Todschlag.“ Da aber schon die bloße Existenz eines Ungläubigen Verführung zum Glaubensabfall bedeutet, ist natürlich Kampf und tödliche Gegenwehr gerechtfertigt.

Obwohl dieser Vers 2/186 also friedlich-friedenserhaltend dasteht, ist er von der muslimischen Geistlichkeit schon sehr früh und dann mehr als ein Jahrtausend nicht so interpretiert worden. Sie teilte die Welt in nur 2 Teile: dar-al-Islam und dar-al-Harb. Das heißt, da wo der Islam nicht herrschte, hatte Krieg zu herrschen. So standen denn auch die muslimischen Heere schon 732, also bereits hundert Jahre nach Mohameds Tod über die iberische Halbinsel kommend in der Provence und dann wieder 1523 und 1683 über den Balkan vorrückend, vor Wien. Erst unter dem Eindruck erdrückender europäischer Überlegenheit, etwa seit 1800, wurde dann für ca. 100 Jahre nur noch der defensive Jihad als legitimiert angesehen. Das hat sich dann ab den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts wieder hin zur Forderung eines offensiven Jihad, und zwar nach einem solchen im eigenen Land, einem gegen Amerika, den großen Satan, einem gegen unislamisches allgemein und privatisiert überall auf der Welt, geändert. Hassan al Banna, der Gründer der Moslem Brüder in Ägypten schwor 1928 seine Anhänger ein auf folgende Maxime:

„Der Prophet ist unser Führer, der Koran ist unsere Verfassung, der jihad ist unsere Pflicht, das Sterben für Allah ist unser höchstes Ziel.“

Sayid Qutb, ebenfalls ein Ägypter, 1906-1966, schrieb in den 40er Jahren einen 30-bändigen Korankommentar und äußerte sich dann in dem Buch „Milestones“, zu Deutsch „Zeichen der Zeit“, dass im Koran eindeutig der Offensiv-Jihad gefordert sei. Der Islam richte sich an alle Menschen. Die anfänglich friedlichen Suren der Mekkanischen Zeit (mit Äußerungen wie: „Euch eure Religion, mir meine Religion“) seien nur taktisch gemeint gewesen, um in Ruhe als Religion wachsen zu können. Nach der Auswanderung bzw. Flucht 622 ( Hedschra ), seien dann in den Medina-Suren immer eindeutiger Offensiv-Jihad Verse verkündet worden. So sei z.B. auch die Schlacht von Badr, die erste kriegerische Auseinandersetzung mit den Mekkanern, ja keine Verteidigungsschlacht gewesen, sondern ein Raubüberfall auf eine Mekkanische Handels-Karawane, die nicht zuletzt auch Gegenaktionen der Mekkaner provozieren sollte, um dann nach einem Krieg und Sieg über diese eine siegreiche Rückkehr nach Mekka zu ermöglichen. Entsprechend forderte Qutb für seine Zeit einen weltweiten Jihad zur Verwirklichung allgemeiner Gottesherrschaft, einer Hakkimiyat Allah, in der nicht Volk, Demokratie oder Nation der Souverän des Staates ist, sondern Allah. Die Herrschaft Allahs mit der Sharia als Gesetzgebung sei das Ziel. Nur so sei die Herrschaft von Menschen über Menschen, die ein inhumaner Zustand sei, abzulösen. Hergestellt werden müsse die Herrschaft Allahs durch Predigt und Jihad. Der Jihad sei die von den Muslimen vergessene Pflicht, die es wiederzubeleben gelte.

Sein 2. Buch: „Unser Kampf mit den Juden“ war nicht weniger radikal. Es fasste alles zusammen, was das Andere-Ich Mohameds, der Koran, gegen die Juden sagt (sie werden dort u.a. als Schriftverfälscher, als verächtliche Affen und Schweine bezeichnet) und überbietet dies noch. Zum Entstehungszeitpunkt dieses Buches bestand der Staat Israel noch nicht. Diesen Generator des Judenhasses gab es also noch nicht, aber es tönte, während Qutb am Schreibtisch saß, im ägyptischen Rundfunk Jerusalems Obermufti al-Husseini, der nach einem niedergeschlagenen arabischen Aufstand gegen die britische Mandatsmacht in Palästina seit 1941 im Berliner Exil lebte, und der nun von dem Sender Keesen, nahe bei Berlin, extrem antisemitische Parolen in die arabische Welt sendete: „Ich rufe den Jihad aus. Tötet die Juden, wo immer ihr sie findet, das ist Allah wohlgefällig.“ Von Keesen aus gingen ähnliche Sendungen nicht nur in arabisch sondern auch in türkisch, persisch und Urdu in die gesamte moslemische Welt. Al-Husseini wusste zu diesem Zeitpunkt, dass bereits 3 Millionen Juden getötet worden waren. Er hat übrigens Hitler zweimal in einem längeren Zweiergespräch am Tisch gegenübergesessen. In den Nürnberger Prozessen ist dann bekannt geworden, dass al-Husseini der NS-Führung bei der Entscheidung zur Vergasung aller Juden zugeredet hat, so wie ihm übrigens Hitler zugesichert hat, dass, sobald die deutschen Truppen am Kaukasus stünden, ihr nächstes Ziel dann Jerusalem sei, um auch dort die Juden zu vernichten.

Ein weiterer Offensiv-Jihad Propagandist des 20sten Jahrhunderts war Sayyid Abul Ala Maududi, 1903 - 1979, ein Inder, Zeitgenosse und Widerpart Gandhis. Er forderte für ganz Indien, obwohl die Moslems in ihm mit ihren 300 Millionen nur eine starke Minderheit darstellten, einen Sharia-Staat, um dem Verdammungsspruch des Verses 48 der Sure 5 zu entgehen: „Und wer nicht richtet nach dem, was Allah herabgesandt hat, das sind die Ungläubigen.“

Das Hauptwerk von Maududi ist: „Die Doktrin des Jihad“. Daraus folgt nun aus „Weltanschauung und Leben im Islam“ von Seite 196 folgendes Zitat: „Das größte Opfer für die Sache Gottes wird im Jihad dargebracht, denn in diesem Kampf gibt der Mensch nicht nur sein eigenes Leben und sein Hab und Gut her, sondern er vernichtet auch Leben und Eigentum anderer. Doch wie bereits dargelegt, ist einer der Grundsätze des Islam, dass wir einen geringeren Verlust auf uns nehmen sollten, um uns vor einem größeren Schaden zu schützen. Was bedeutet der Verlust einiger Menschenleben, selbst wenn es einige Tausend oder mehr sein sollten, gegenüber dem Unheil, dass die Menschheit befallen würde, wenn das Böse über das Gute und der aggressive Atheismus über die Religion Gottes den Sieg davontragen würde.“

Auch Maududi hat übrigens einen berühmten Korankommentar geschrieben, der auch heute noch in einem Koran-Blog immer mit aufgeführt wird.

Ein weiterer sehr einflussreicher Offensiv-Jihad Propagandist ist abd-al-Salam-Faraj, ein Ägypter, 1954-1982. Er präzisierte in seiner Schrift „die vergessene Pflicht“ das Werkzeug Dschihad für den politischen Islam dahingehend, dass zuerst das nahe Ziel angegangen werden soll, also z.B. in Ägypten die nicht ausreichend islamische Regierung (Dschahiliyah-Regierung) und dann erst das ferne Ziel ( also Jerusalem, die USA )

Er bezeichnete den Jihad als den 6. Pfeiler des Islam. Die Tatsache, dass die Muslime dem Westen so unterlegen seien, rühre daher, dass der Jihad bisher so vernachlässigt worden wäre.

Diese Auffassung war neu. Bisher galt die Interpretation von Djemal Afgani von ca. 1900, dass die Unterlegenheit daher rühre, dass die Muslime ganz generell nicht genug glauben würden. Weiter Faraj: „Jihad wird den Muslimen ermöglichen, die Welt zu erobern und ein Kalifat zu errichten.“

Faraj wurde kurz nach dem gelungenen Attentat auf den Friedensnobelpreisträger Anwar al Sadat, an dessen Planung er beteiligt war, hingerichtet.

U.a. Ayman al Zawahiri, der Kinderarzt und spätere Al Quaida-Führer ist einer seiner Schüler. Sie sehen, wie ein an sich scheinbar friedlich zu lesender Vers, wenn man ihn im Sinne liest: „Allah erlaubt keinen Angriff“, über 1000 Jahre in der Anfangszeit und dann auch wieder von einigen sehr einflussreich gewordenen, international rezipierten Denkern zu Beginn des 20sten Jahrhunderts in sein Gegenteil umgedeutet worden ist. Dies geschah aber aus dem engeren Zusammenhang dieser Textstelle und auch aus dem Gesamtgeist des Koran heraus, der u.a. dem Vers 17/84 abzulesen ist: „Eine Barmherzigkeit ist er (der Koran) nur den Gläubigen, den Sündern mehrt er nur das Verderben.“

Aber es gibt noch weitere scheinbar pazifistische Verse im Koran: Vers 35, Sure 5 wird häufig so zitiert : „Wer einen Menschen tötet, tötet die Menschheit, wer einen Menschen rettet, rettet die Menschheit.“ Er heißt aber in ganzer Länge: „Aus diesem Grund (Kains Mord an Abel) haben wir den Kindern Israel verordnet, dass, wer eine Seele ermordet, ohne dass dieser einen Mord oder eine Gewalttat im Lande begangen hat, soll sein wie einer, der die ganze Menschheit ermordet hat. Und wer einen am Leben erhält, soll sein, als hätte er die ganze Menschheit am Leben erhalten. Und es kamen zu ihnen ( den Juden ) unsere Gesandten mit deutlichen Zeichen, viele von ihnen gebärden sich dennoch maßlos auf Erden.“

Der Vers richtet sich also ausdrücklich an die Juden und nicht an die Muslime. Außerdem wird er von folgendem Vers gefolgt, Vers 33:

„Diejenigen, die gegen Allah und seinen Gesandten kämpfen und auf Erden Unheil stiften, sollen getötet oder gekreuzigt werden, oder es soll ihnen wechselweise Hand oder Fuß abgeschlagen werden, oder sie sollen aus dem Land vertrieben werden. Das ist für sie schmachvolle Erniedrigung im Diesseits und im Jenseits haben sie überdies eine gewaltige Strafe zu erwarten.“

Der Vers 35, Sure 5, war der Vers, der 2 Tage nach dem Massaker in der Redaktion Charlie Hebdo öffentlich auf dem Pariser Platz in Berlin verlesen wurde. Dort wurde in einer gemeinsamen Mahnwache der Muslim-Verbände und der BRD-Polit-Prominenz - einschließlich der Kanzlerin - im Beisein von 10.000 Demonstranten (wovon ca. 2.000 Muslime waren) der Toten des Attentats gedacht.

Der verlesene Vers sollte die Stellungnahme der Muslime zum Massaker ausdrücken. Er war dazu nicht geeignet, denn Allah hatte in ihm die Kinder Israel und nicht die Muslime angesprochen. Der nicht verlesene Folgevers wäre viel geeigneter gewesen, die Reaktion der muslimischen Welt darzustellen, wie sie dann ja bei der Publikation des Folgehefts von Charlie Hebdo - dieses Hefts - von Pakistan bis Nigeria mit wütenden Demonstrationen per Fernsehen zu erleben war.

Von allen deutschsprachigen Zeitungen hat nur die Baseler Zeitung vom 3.2.15 den direkt erfolgenden Selbstwiderspruch, die Kontradiktio in adjecto, die diese beiden Koranverse hier liefern, bemerkt.

Auch bei vielen anderen Gelegenheiten wurde dieser Vers 5/35 schon als Beleg dafür zitiert, dass der Islam eine Religion des Friedens ist. Dennoch erstaunlich, dass auch die Sachbearbeiter im Kanzler- und Bundespräsidialamt ihre Chefs nicht gewarnt und deren Unterhaken und Verbrüderung mit Herrn Ayman Mayzek vom Zentralrat der Muslime unter der Scheinheiligkeit dieses Verses nicht verhindert haben.

Auch ein früherer Vers dieser Sure 5, Vers 31, wurde kürzlich irreführend als Zeichen für die Humanität des Korans zitiert.

5/31: „Wahrlich streckst Du auch Deine Hand zu mir aus, um mich totzuschlagen, so strecke ich doch nicht meine Hand zu dir aus, um Dich totzuschlagen.“

So geschehen Anfang Januar in der Wochenzeitung „Die Zeit“ von einem im Allgemeinen sicher hochgebildeten iranischen Autor, der sich aber hier zu der Aussage verstieg, dieser Vers könne einen Christen erinnern an Aussagen Jesu bei der Bergpredigt und damit inhaltliche Ähnlichkeiten nahelegte. Dabei steht auch dieser Vers im Zusammenhang der Erzählung von Kain und Abel und gibt eine Äußerung Abels gegenüber seinem Bruder wieder, ohne dass damit für die Muslime Vorbildhaftigkeit behauptet wird. Hier für einen christlichen Leser eine inhaltliche Entsprechung zur Bergpredigt Jesu ins Spiel zu bringen, ist eine Irreführung.

Ein anderer an sich friedlicher, weil vorgeblich Religionen-Toleranz belegender Vers ist: „Es sei kein Zwang in der Religion.“ (Anfangssatz vom 257sten Vers der Sure 2) Gemäß Herrn Ayman Mayzek in vielen BRD-Talk-Shows sei dieser Vers nicht relativierbar und belege die tolerante Einstellung des Korans.

Nun wird er in der Tat gestützt durch manche Passagen im Koran, die sinngemäß lauten: „Und wenn sie Deine Botschaft nicht annehmen wollen, dann wende Dich ab. Es liegt dir nur Predigt ob.“

Auf der anderen Seite ist es eine geschichtliche Tatsache, dass nach Eroberung von Ländern „Ungläubiger“ die sogenannten Schriftbesitzer (Juden und Christen) mit einer Kopfsteuer belegt wurden und die übrigen „Ungläubigen“ unter Todesandrohung zum Islam gezwungen wurden. Die Kopfsteuer der Christen und Juden (Gizzya) war Teil eines minderen Rechtsstatus, des sogenannten Dhimmi-Status, der z.B. das Zeugnisrecht vor Gericht und den Zugang zu Militär- und Staatsämtern ausschloss, dafür aber eine Demütigung im Alltagsleben wie zeitweise das Tragen einer Religionskennzeichnung, das Verbot des Reitens auf Pferden und die Verpflichtung des Zuerst-Grüßens gegenüber einem Moslem einschloss.

Dem entspricht der Koranvers 9/29: „Kämpfe mit den Schriftbesitzern, bis sie den Tribut aus der Hand gedemütigt entrichten.“

Darüber hinaus ist sogar einmal dem „Anderen-Ich“ des Mohamed in einem Versteil in Sure 48/16 entschlüpft: „... und ihr sollt mit ihnen kämpfen, oder sie werden Muslime.“

So liegt denn auch eine Religionen-tolerante Haltung überhaupt nicht auf der Linie des bereits angeführten Hadith: „Mir wurde aufgetragen für Allah zu kämpfen, bis alles an ihn glaubt.“

Zudem ist dieser Satz: „Es sei kein Zwang in der Religion“ in der Sure 2 gegeben, in welcher auch ein striktes Weinverbot ausgesprochen wird, da Wein ein Werk Satans sei. Deshalb könnte es gut sein, dass der Satz gegen den Zwang so etwas wie eine Selbstreflexion des „Anderen-Ich“ von Mohamed ist, dass er seinen Gläubigen nicht zu viel Zwang mit Speisegesetzen und Weinverbot auferlegen solle und wäre auch damit mitnichten ein Beleg für eine Religionen-tolerante Einstellung des Islam. Schließlich steht ja auch heute noch Abfall vom Islam ganz offiziell in den Sharia-orientierten Gesetzbüchern von Saudi-Arabien, Iran, Pakistan und Sudan unter Todesstrafe. Dies steht nun nicht so im Koran, aber in einem Hadith: Wenn einer vom Glauben abfällt, so tötet ihn!

Aber dennoch, eine Textstelle im Koran, die eine gewisse Milde im Umgang miteinander empfiehlt, existiert. Es ist der Vers 5/45, der das Mosaische Gesetz des Auge um Auge etc. erweitert:

„Und wir haben für sie in dieser Thora folgendermaßen verordnet: Leben um Leben und Auge um Auge und Nase um Nase und Ohr um Ohr und Zahn um Zahn und gleiche Vergeltung für Verletzungen. Aber wer aus Mildtätigkeit darauf verzichtet, der wird damit einige seiner vergangenen Sünden sühnen. Und diejenigen, die nicht in Übereinstimmung mit dem richten, was Allah geoffenbart hat - sie sind die Übeltäter.“

Im Kommentar sagt Mohamed Asad zu diesem Vers, dass die hier empfohlene Milde viel ausführlicher und klarer durch Jesus von Nazareth in der Bergpredigt ausgesprochen worden sei. Im Übrigen sei diese Stelle auch ein Hinweis darauf, dass die Juden das ihnen gegebene Gesetz gefälscht weil unvollständig in ihrer Schrift überliefert hätten.

Im Kontext des Korans ist die moralische Reichweite dieser Textstelle allerdings eingeschränkt durch die Beschreibung des Verhaltens der Gefährten des Propheten. Diese hatten nämlich auch Vorbildfunktion, und von ihnen wird berichtet: „sie sind barmherzig untereinander doch hart gegen die Ungläubigen“(Sure 48/29)

Um meiner Abhandlung zum Koran nun wenigstens zwischenzeitlich den Charakter einer Inquisitionsveranstaltung - mit mir als Klein-Inquisitor - zu nehmen, jetzt einige allgemeine Bemerkungen.

Die nur 7 Zeilen lange Fatiha, eine Gebetssure, steht dem Koran als Eingang vorweg. Sie leitet nicht nur den Koran ein, sondern spielt auch in den fünf täglichen Ritualgebeten eine herausragende Rolle, wird sie doch bei deren Vollzug am Tag insgesamt 17 Mal gebetet. Sie hat so sicherlich tief das muslimische Unterbewusstsein geprägt und lautet:

„Im Namen Allahs

des Erbarmers, des Barmherzigen

Lob sei Allah, dem Weltenherrn

dem Erbarmer, dem Barmherzigen

dem König am Tag des Gerichts,

leite uns den rechten Pfad,

den Pfad derer, denen Du gnädig bist,

nicht derer denen Du zürnst und nicht der Irrenden.“

 

Eine andere entscheidende Sure ist die nur 4 Zeilen lange Sure 112. Von ihr sagte Mohamed, dass sie 1/3 des Korans sei. Sie lautet

 

„Im Namen Allahs

des Erbarmers, des Barmherzigen

sprich: er ist der eine Gott,

der ewige Gott:

er zeugt nicht und wird nicht gezeugt

und keiner ist ihm gleich.“ 

Die Basmalla, die Eingangsformel: „Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen“ steht im Koran zu Beginn jeder Sure mit Ausnahme der sehr kriegerischen Sure 9, in der auch der sogenannte Schwertvers 9/5 vorkommt, also 113 Mal. Jedenfalls erhält der Koran durch diese 113 Mal wiederholte Bestätigung des barmherzigen Absenders einen ordnenden Leitfaden und formale Geschlossenheit.

Die Barmherzigkeit Allahs besteht nach muslimischer Sicht vornehmlich darin, dass er die Welt geschaffen hat und dass er bei seiner Preisung durch den Gläubigen um Hilfe und Unterstützung gebeten werden kann. Außerdem darin, dass Allah ihnen durch Mohamed die Rechtleitung geoffenbart hat, wozu eine freie Nacherzählung der 10 Gebote ebenso gehören wie die Speisegesetze und die Heiratsvorschriften u.a. Insgesamt bringen Pluspunkte für einen erhofften späteren Eingang ins Paradies Glauben und Gutes tun, das Gebet verrichten, die Armenabgabe zahlen, die Pilgerfahrt (Haddsch) ausführen und das Fasten im Monat Ramadan mit den jeweils zugehörigen Riten und Feiern. Auch das Allahu-Akbar-sagen, das Takbir, ist verdienstlich.

Das entscheidende Pfund aber für den Erwerb eines Anspruches auf das Paradies - und nun fahren wir mit der Untersuchung einzelner Verse fort - gibt es nur bei Durchführung des Jihad. Das Wort Jihad steht in 97 Prozent aller seiner Verwendungen in den drei großen Schriften des Islam (Koran, Sunna, Sira) in einem kriegerischen Zusammenhang, und nur in drei Prozent bedeutet er eine nur innere religiöse Anstrengung. (nach Robert Spencer)

Den kriegerischen Jihad mahnt z.B. der folgende Vers an

9/112 „siehe, Allah hat von den Gläubigen ihr Leben und ihr Gut für das Paradies erkauft. Sie sollen kämpfen in Allahs Weg und töten und getötet werden. Eine Verheißung hierfür ist gewährleistet in der Thora, im Evangelium und im Koran; und wer hält seine Verheißung getreuer als Allah? Freut euch daher des Geschäfts, das ihr abgeschlossen habt; und das ist die große Glückseligkeit.“

Der Islam ist vornehmlich eine Kämpfer-Religion. Sehr deutlich kommt das auch zum Ausdruck im Vers 9/20-22: „Die, welche glauben und auswandern und mit ihrem Gut und Blut kämpfen für Allahs Sache, die nehmen den höchsten Rang ein, und sie sind es, die Erfolg haben. Ihr Herr verheißt ihnen Barmherzigkeit und sein Wohlgefallen und Gärten, worin ewige Wonnen ihr sein wird.“

Sehr eindeutig, dabei sogar schön formuliert, kommt die islamische Kämpfer-Religion in folgendem Hadith von Mohamed zum Ausdruck (Sahih Muslim im Kapitel Kitab al Imara)

„Wer nicht im Leben wenigstens einmal gewünscht hat, für Allah zu kämpfen, der ist auf einem Zweig der Heuchelei gestorben.“

Glaubensdienst ist Gottesdienst unter Waffen. Den Tod darf man dafür übrigens getrost in Kauf nehmen, denn:

3/169: „Halte die, die auf dem Wege Gottes getötet werden, nicht für tot! O nein! Sie sind am Leben, bei ihrem Herrn, und werden wohl versorgt.“

Der Koran, das Andere-Ich Mohameds, geht aber noch weiter. Er verspricht seinen Glaubens-Kämpfern nicht nur das Paradies. Er erleichtert seinen Kämpfern ihr tödliches Geschäft auch noch dadurch, dass er die Gegner veruntermenschlicht. Die Amerikaner bezeichneten die Deutschen bei Eintritt in den Ersten Weltkrieg auf manchen Plakaten als blutrünstige Hunnen, die Deutschen die Russen bei ihrem Überfall auf die Sowjetunion als slavische Untermenschen, aber auch der Koran wendet schon diesen psychologischen Trick an, noch eindeutiger und religiös bekräftigt:

8/57: „siehe, schlimmer als das Vieh sind bei Allah die Ungläubigen, die nicht glauben.“

8/22: „siehe, schlimmer als das Vieh sind die Blinden und Tauben, die nicht begreifen.“

8/55: „wahrlich, schlimmer als die Tiere sind bei Allah jene, die ungläubig sind und nicht glauben werden. Es sind jene, mit denen Du einen Bund geschlossen hast, und dann brechen sie jedes Mal den Bund, und sie fürchten Allah nicht. Darum, wenn Du sie im Krieg anpackst, erschrecke mit ihnen diejenigen, die hinter ihnen sind, auf dass sie ermahnt werden.“

47/13: „siehe Allah führt diejenigen, welche glauben und das Rechte tun, in Gärten durcheilt von Bächen, und die Ungläubigen genießen und essen, wie das Vieh esset , und das Feuer ist ihre Nahrung.“

Und nun ein Vers, der sogar noch aus seiner Mekka-Zeit stammt:

7/178: „und wahrlich, wir erschufen für Dschehannam viele der Dschin und der Menschen. Herzen haben sie, mit denen sie nicht verstehen, Augen haben sie, mit denen sie nicht sehen, Ohren haben sie mit denen sie nicht hören. Sie sind wie das Vieh, ja, gehen noch mehr irre, sie sind die Achtlosen.“

Man kann dieses demagogische Vorgehen des Koran gegen die Ungläubigen - verstärkt noch in der Medina-Zeit - auch erklären aus der schwierigen Situation, in der Mohamed sich befand .Wie auch heute noch, war die arabische Gesellschaft damals aufgeteilt in Stämme, große Verwandtschaftsgemeinschaften, die oft mehrere tausend Menschen umfassten. Innerhalb dieser Gemeinschaften herrschte große Solidarität und natürlich strikte Tötungshemmung. Mohamed hatte aber um sich und sein Koran-Rezitat einen Kunststamm geschart, dessen Mitglieder aus verschiedenen Stämmen kamen. Und wenn es nun zu Kampfhandlungen zwischen seinen Anhängern und gegnerischen Stämmen kam, waren die Muslime oft gezwungen, Angehörige ihres eigenen Stammes umzubringen; deshalb diese Verse, die gezielt die beim Menschen gegebene innerartliche und besonders innerverwandtschaftliche Tötungshemmung ausschalten sollte.

Dazu passt auch das theologische Konzept vom Ungläubigen, das der Korn verkündet. Diese haben nämlich seiner Meinung nach den Urvertrag gebrochen, gemäß 7/171-172: „Allah zog aus dem Rücken der Kinder Adams ihre Nachkommenschaft und sprach: Bin ich nicht euer Herr?“ Da sprachen sie: „Jawohl, wir bezeugen es.“

Dies ist die anthropologische Grundaussage des Korans. Darum, wer nicht glaubt, kehrt sich aktiv von der Schöpfung ab, ist eigentlich lebensunwürdig. Dieser Begriff kommt zwar so nicht im Koran vor, mit ihm kann man aber die Zusammenhänge erklären, in denen das Wort Kuffar (die Ungläubigen) auftaucht. Man darf sie umbringen, hassen, bestrafen, vergewaltigen, täuschen, erniedrigen, enthaupten, nicht mit ihnen befreundet sein, usw.

Dieses Konzept vom Ungläubigen spielt aber nicht nur eine Rolle für den Kriegsfall sondern setzt auch im Frieden das Prinzip der goldenen Regel außer Kraft: „Was Du nicht willst, das man Dir tu, das füg‘ auch keinem anderen zu.“ (Dieses Prinzip war zur Zeit Mohameds schon entwickelt, und zwar gleichzeitig im Talmud und im neuen Testament.)

Hat der Hass des Anderen-Ich Mohameds die Ungläubigen hier sozusagen bis weit vor ihre Geburt verfolgt, so wird Mohameds Hass noch an einer anderen Stelle überaus deutlich, in der er nämlich unversehens aus seiner Sprecherrolle für Allah herausfällt und plötzlich selber spricht:

9/30 „Und es sprechen die Juden: ‚Esra ist Allahs Sohn‘. Und es sprechen die Nazarener: ‚Der Messias ist Allahs Sohn‘ Solches ist das Wort ihres Mundes. Sie führen ähnliche Reden wie die Ungläubigen von zuvor. Allah, schlag sie tot! Wie sind sie verstandeslos!“.

Und dazu passt die ultimative Aufhebung der Tötungshemmung in Vers 8/17 „Und nicht ihr erschlugt sie. Allah erschlug sie. Und nicht du warfst, sondern Allah warf. Und prüfen wollte er die Ungläubigen mit einer schönen Prüfung. Siehe Allah ist hörend und wissend.“

Von einer großen Anzahl weiterer zur Gewalt gegen Ungläubige aufrufender Verse möchte ich Ihnen nur einige noch kurz andeuten, die man sich durch Eingabe bei Google leicht vervollständigen kann: „Laßt sie eure Härte spüren“, „ Herunter mit dem Haupt, bis ihr ein Gemetzel unter ihnen angerichtet habt.“ „Noch vermochte kein Prophet Gefangene zu machen, der nicht zuvor gemetzelt“.

Diese extreme Grausamkeit, die im Koran gepredigt wird, hat auch innerislamische Kritiker gefunden. So möchte ich Ihnen an dieser Stelle kurz Abu Nasr Zaid vorstellen, einen ursprünglich ägyptischen und später in Holland lehrenden Koranwissenschaftler, der darum wirbt, den Koran vermittelt zu sehen durch „Wahy“. Mit dem arabischen Begriff „Wahy“ ist in Zeile 4 der Sure 53 die Art der Kommunikation angegeben, die der Engel Gabriel mit Mohamed gepflegt hat. Es ist eine Kommunikation zwischen zwei Wesen unterschiedlicher Seinsart, und sie geschieht in nicht-wörtlicher-Art. Sie ist also eine nonverbale Eingebung. Das heißt dann wohl, es wurde vom Engel der geistliche Sinn der Sendung gegeben, seine Umsetzung in eine wörtliche Botschaft aber hat Mohamed entsprechend den Gegebenheiten seiner Zeit selber formuliert. Mit diesem Auslegungsschlüssel aber lassen sich ganz neue Räume, ja Schlösser eröffnen.

Yarsal Nuri Ötztürk, auch der Luther der Türken genannt und in dem Times Magazin im Jahre 2000 von ca. 100.000 Amerikanern zum 7.-wichtigsten Denker des 20sten Jahrhunderts gewählt, noch vor Kennedy und Einstein, legt entscheidenden Wert auf Koranverse, die Gerechtigkeit fordern. Sie veranlassen ihn, eine Herrschaft Allahs als eine Herrschaft der Gerechtigkeit zu sehen, die er übrigens in Staaten wie Schweden, der Schweiz und Deutschland weit eher verwirklicht sieht als in arabischen Ländern, weswegen er die ersteren für islamischer hält. Ötztürk war jahrelang Dekan der islamischen Hochschule in Istanbul und betreut eine Kolumne der Tageszeitung Hürriyet.

Zaid wurde in Ägypten zum Nicht-Moslem erklärt und infolgedessen von seiner muslimischen Frau zwangsgeschieden. Ötztürk erhält laufend Todesdrohungen und traut sich nur mit Bodyguard auf die Straße.

Warum entwickelt die muslimische Welt insgesamt keine kritische Anfrage-Haltung zum Koran? Es gab eine solche, die der sogenannten Mutaziliten von 810 bis 840 n. C. Seit dem 10. Jahrhundert gelten sie aber als eindeutige Ketzer.

Für die Muslime ist der Koran ein Teilabbild der im Himmel verwahrten Tafel bei Allah, dem Buch der Welt, wo er vor jeder Veränderung, Weglassung wie Hinzufügung geschützt ist. So steht es im Koran. Dieser ist ihnen das anfänglich Urewige! Im Vergleich zum Christentum kann man sagen: Der Koran ist die Buchwerdung Gottes, seine „Inlibration“.

Die Muslime hängen mit einer solchen Inbrunst an der gegebenen Wörtlichkeit des Korans, dass die islamische Geistlichkeit für 300 Jahre die Einführung der Gutenbergschen Buchdruckmaschine im osmanischen Reich erfolgreich verhindert hat mit dem Argument, der Koran könne durch sie verfälscht werden. Der erste Korandruck in der muslimischen Welt fand dann auch erst 1828 statt. Damit aber hat die Geistlichkeit des osmanischen Reiches auch die Abkoppelung der islamischen Welt aus der Wissensrevolution und der anschließenden industriellen Revolution bewirkt, die sich in Europa und Amerika während dieser Zeit mit Hilfe des Buchdrucks ereigneten.

Zwei weitere besonders unheilvolle Verse des Korans seien noch erwähnt:

8/59-60: „Und denke nicht, dass die Ungläubigen gewinnen. Sie vermögen Allah nicht zu schwächen. So rüstet wider sie, was ihr vermögt an Kräften und Rossehaufen, damit in Schrecken zu setzen Allahs Feind und euren Feind und andere außer ihnen.“

Der in der muslimischen Welt international stark wahrgenommen Autor Mayid Khadduri, ein Pakistaner, sieht in seinem 1979 erschienen Buch: „Das koranische Konzept vom Krieg“ gerade darin die kriegsentscheidende Taktik: „Schrecken zu setzen in die Herzen der Feinde.“ Wenn dies z.B. durch Attentate und Terror geschehen ist, und die Gegner Respekt bekommen hätten vor der inneren Stärke der Muslime, dann käme die Hilfe Allahs und würde in einer größeren kriegerischen Auseinandersetzung zum Sieg führen.

Ein letzter unheilvoller Vers sei noch erwähnt:

2/191 „Tötet sie, wo immer ihr sie findet und vertreibt sie von dort, von wo sie euch vertrieben haben.“

Dieser Vers war zwar gemünzt auf den Ort Mekka, wird aber heute dazu führen, dass Israel in einem nie endenden Existenzkampf stehen wird, bis kein Fußbreit seines Landes mehr übrig ist.

Eine Entgiftung all dieser Verse ist dringend notwendig, denn die Verbindung zwischen Islam und Islamismus ist der Koran.

Zudem stehen wir heute in einer neuen technischen Revolution. Das Internet ermöglicht sekundenschnelle weltweite Kommunikation. Seit knapp zwei Generationen haben wir Muslime, die im Allgemeinen des Lesens mächtig sind. Mit allen Mitteln moderner Psychologie produzierte Propaganda-Videos sind überall herunterzuladen. Damit ist die potenzielle Gefährlichkeit dieser Gewalt einfordernden Texte sprunghaft gestiegen.

Besonders auch angesichts dieser neuen Entwicklungen mache ich nun von der eingangs von Otto Schily angemahnten Erlaubnis Gebrauch und wiederhole es nochmals: der Koran ist in seiner gegenwärtigen Form gefährlich, er ist die Verführung vom Islam zum Islamismus. Und deshalb schließe ich mit der Aufforderung: 

All muslim scholars of the world, unify and write a new Koran

24. Juli 2015