Der Wahrheitskomplex. Wie NGOs im Staatsauftrag unerwünschte Meinungen bekämpfen
Buchbesprechung:
Norbert Häring
Der Wahrheitskomplex
Wie NGOs im Staatsauftrag unerwünschte Meinungen bekämpfen
Westend Verlag GmbH Neu-Isenburg 2026 * Softcover * 304 Seiten * ISBN 978-3-98791-352-5 * 25,00 € (D) * 25,70 (A)
Ich möchte diese Rezension mit einer ungewöhnlichen Einleitung beginnen, die aus zwei Fragen besteht, wobei die Antwort auf die erste Frage theoretischen Charakter hat, während die Antwort auf die zweite Frage der praktischen Realität Rechnung trägt.
1) Wer sollte dieses Buch lesen?
2) Wer wird es wirklich lesen?
Ad 1) Grundsätzlich sollte jeder Bürger des deutschsprachigen Raums dieses Buch lesen, um zu erkennen, in welchem Ausmaß er über die sogenannten Leitmedien manipuliert wird und wie dieser „Wahrheitskomplex“ hochgradig irreführende Darstellungen produziert und wesentliche Informationen unterdrückt.
Ad 2) In der Praxis werden trotz des Bestseller-Status relativ wenige Menschen dieses Buch konsumieren und paradoxerweise ist zu erwarten, dass gerade jene zu der Nichtleserschaft zählen werden, welche genau diese Informationen am dringendsten benötigen würden, weil sie sich immer noch ausschließlich über die sogenannten Leitmedien informieren. Und da genau diese Opfer des Mainstreams durch ihre Medien überhaupt nicht über die Existenz dieses Buches in Kenntnis gesetzt werden, steht zu vermuten, dass diese Menschen nach wie vor die ihnen präsentierte mediale Realität mit der Wirklichkeit verwechseln, womit sich der Teufelskreislauf der Desinformation schließt.
Der studierte Volkswirt und Wirtschaftsjournalist Norbert Häring betreibt den ausgesprochen informativen Blog „Geld und Mehr“ und hat mit dem Buch „Endspiel des Kapitalismus“ (2021) einen Bestseller verfasst. Im vorliegenden Werk geht es aber nicht um den Kapitalismus, sondern um die Medienlandschaft und welche Einflussfaktoren für die veröffentlichte Meinung verantwortlich sind.
Als „Wahrheitskomplex“ wird bei Häring ein Geflecht von Mainstream-Medien, journalistischen Organisationen, NGOs, Geheimdiensten und militärischen Abteilungen, EU-Institutionen, Faktencheckern, Think Tanks, Meldestellen, PR-Agenturen, Stiftungen und globalistischen Organisationen wie UNO und WHO verstanden, dessen Aufgabe darin besteht, die Meinung der Bevölkerung bei essenziellen Themen in die richtige Richtung zu lenken. Diese sensiblen Themen sind unter anderem die Klimaagenda, die Migrationsthematik, diverse militärische Konflikte (Ukraine) und Corona. Eben dieser Wahrheitskomplex ist für die weitgehende Gleichschaltung der diesbezüglichen Berichterstattung verantwortlich und sorgt dafür, dass jene Menschen, die sich primär im sogenannten Mainstream informieren, zu diesen Themen weitgehend die gleiche Meinung vertreten. Eine wesentliche Strategie besteht darin, die „richtige“ Meinung zu fördern (etwa durch Posten bei Stiftungen, Forschungsprojekte etc.) und die unerlaubte (falsche) Meinung regelrecht zu verteufeln, wobei auf Strategien wie Diffamierungskampagnen zurückgegriffen und auch der Einsatz von Kampfbegriffen (Rechtsextremist, Coronaleugner, Schwurbler, Verschwörungstheoretiker etc.) als probates Mittel angesehen wird. Die Sanktionen für die Kritiker dieser „Wahrheiten“ reichen vom sozialen Tod über Postenverlust und Kontokündigungen bis zur regelrechten „Vogelfrei-Erklärung“ durch die EU, und das (im Gegensatz zum Mittelalter) ohne Prozess und rechtsstaatliches Verfahren. Dieser Wahrheitskomplex sorgt also nicht nur für die entsprechende Gehirnwäsche, er fungiert auch als pädagogische Maßnahme zur Erziehung der Bevölkerung. Norbert Häring führt drei Begründungsstränge der Einschränkungen an, nämlich Desinformation, Hass und Hetze sowie Wahlmanipulation.
Gleich im ersten Teil (Der Wahrheitskomplex bei der Arbeit) wird dargelegt, dass die etablierten Medien weit davon entfernt sind, die „Vierte Gewalt“ darzustellen. Diese permanent behauptete Kontrollfunktion scheitert an diversen Abhängigkeiten, wie etwa an den massiven staatlichen Zuwendungen für Inserate, aber auch der Wunsch nach guten Kontakten und Exklusivität (Hintergrundgespräche) steht diesem Anspruch im Wege. Hinsichtlich der Wissenschafts-berichterstattung sollte der Konsument wissen, dass die meisten Wissenschaftsjournalisten Kunden des Science Media Center (SMC) sind. Dieses Zentrum wird vom Staat und diversen Konzernen finanziert und verfügt über eine entsprechende Auswahl pharmafreundlicher und narrativtreuer Experten, welche sicherstellen, dass der eingeladene Experte auch die „richtige“ Expertise verkündet. Bezeichnenderweise stellt das britische SMC hier das Vorbild dar, welches in den Räumen des pharmaaffinen Wellcome Trust residiert. Genau diese Verbindung sicherte bei Corona eine gleichgerichtete und sehr pharmafreundliche Wissenschaftsberichterstattung. Aber auch beim Klimathema ist es hilfreich zu wissen, dass die meisten Journalisten den sogenannten Klimakodex unterschrieben haben, der zu alarmistischer Berichterstattung (inklusive Konsenspropaganda) verpflichtet.
Ein wesentlicher Mitspieler im Wahrheitskomplex sind die sogenannten Faktenchecker. Diese (u. a. von Regierungen und Industrie) finanzierten Wahrheitswächter dienen der Narrativkontrolle. Häring zeigt exemplarisch die nachweislichen Fehler (Labortheorie-Skandal, Joe Biden Demenz-Leugnung, Migrationstäuschung etc.) und Tendenzen dieser Journalisten auf. Zu diesen klar erkennbaren Tendenzen gehört auch die vorgenommene Darlegung jener Irrtümer, die von den Faktencheckern nicht gecheckt werden.
Zu den Erziehungsmaßnahmen und Manipulationsinstrumenten können auch Werbeboykotte und Kontokündigungen gezählt werden, eine ausgeprägte Cancel Culture (Veranstaltungskündigungen), ein Netz von Meldestellen, die staatliche Einflussnahme auf unabhängige Medien sowie die Kennzeichnung subversiver Bücher in den Bibliotheken. Unbotmäßige Journalisten werden nachdrücklich auf ihre „journalistische Sorgfaltspflicht“ hingewiesen und internationale schwarze Listen, wie etwa der von einem ehemaligen Geheimdienstmann und Open Society Foundation-Mitarbeiter gegründete Global Disinformation Index, erleichtern den Zensoren die Arbeit.
Eine Vorreiterrolle bei der Einrichtung des Komplexes nimmt Deutschland ein, wo bereits 2014 (in Kooperation mit den USA) derartige Strukturen (u. a: Faktenchecker und Influencer) aufgebaut wurden. Nach dem deutschen Vorbild kommt es in weiterer Folge auch in der restlichen EU zu einem Netzwerk aus Faktencheckern und Behörden. Die „Wahrheit“ wird nun in ganz Europa durch Verhaltenskodizes und EU-Lizenzen für Faktenchecker kontrolliert, den vorläufigen Zensur-Höhepunkt stellt der Digital Services Act (DSA) dar.
Aber auch die globalistischen Organisationen UN und WHO mischen bei der Verbreitung der „richtigen“ Meinung kräftig mit, die Gleichschaltung der Medien durch diese Institutionen konnte gerade während der Corona-Zeit sehr gut beobachtet werden. Legendär ist die Aussage der UN-PR-Managerin Melissa Fleming, welche die Klima-Zensur mit dem Satz „We own the science“ legitimierte.
Bemerkenswert erscheint auch die ausführliche Ausarbeitung des Einflusses der NATO und der Geheimdienste, die in enger Zusammenarbeit mit staatlichen Behörden, zivilen Einrichtungen und Internetkonzernen den „Wahrheitskomplex“ wesentlich mitbeeinflussen. Die Propaganda wird schon Kindern eingetrichtert, die unter dem Schlagwort Prebunking auf NATO-Linie hinkonditioniert werden.
Norbert Häring bleibt aber nicht bei dieser ernüchternden Analyse stehen, er blickt auch in die Zukunft und erklärt den Lesern die Bedeutung von Gegenmaßnahmen, die anhand praxistauglicher Beispiele und Empfehlungen erläutert werden. Den Abschluss des Werkes bildet ein chronologischer Überblick zum Wahrheitskomplex.
Der Autor hat hier mit beeindruckender Akribie Fakten zusammengetragen, welche das Ausmaß eines regelrechten Zensur- und Desinformationsnetzwerkes darlegen. Dieses Werk stellt eine wesentliche Basis für die Aufklärung dar. Nur wer die Hintergründe und die Steuerung des massenmedialen Informationsflusses kennt, hat reale Chancen sich, vor Propaganda zu schützen. Insofern stellt dieses Buch das ideale Geschenk für leitmediengläubige Zeitgenossen dar.
Was ist nun der praktische Gewinn der Lektüre für kritische Geister? Der Leser hat hiermit die Möglichkeit, eine gewisse Resilienz gegenüber den sogenannten Mainstream-Medien aufzubauen. Diese Medien berichten so, wie sie berichten müssen und bei etlichen essenziellen Themen ist daher von Haus aus keine realistische Berichterstattung zu erwarten. Diese Erkenntnis hilft bei der Einordnung als Propaganda und der Leser kann sich hier auch die Frage stellen, ob es sich wirklich lohnt, bei jeder irreführenden Darstellung in den Empörismus zu verfallen.
Andererseits vermittelt dieses Buch aber auch die Basis für mehr Verständnis gegenüber unseren mainstreamgläubigen Zeitgenossen, weil es indirekt darlegt, warum der normale Medienkonsument so denkt, wie er denkt. Nun, er denkt so, wie er nach Ansicht des „Wahrheitskomplexes“ denken soll, und diese Wahrheit ist für Neulinge in dieser Materie schwer verkraftbar, weil der Normalbürger sich nur schwer vorstellen kann, welcher Aufwand betrieben wird, damit er die „richtige“ Meinung hat. Überdies wurde er darauf konditioniert, diesen Medien blind zu vertrauen und jegliche Kritik an deren Glaubwürdigkeit als rechte Verschwörungstheorie einzuordnen. In meinem Buch Pandemische Irrtümer habe ich übrigens die These vertreten, dass der normale Medienkonsument überhaupt keine eigene Meinung hat, weil das, was er dafür hält, in Wirklichkeit nur ein geistiges Implantat darstellt.
Eine eigens eingerichtete Website (https://wahrheitskomplex.de/buch/) bietet wesentliche Zusatzinformationen und Hintergrundwissen. Angesichts der vielen Namen von Organisationen und Protagonisten wäre allerdings auch ein Index hilfreich. Aufgrund der Dimension des Wahrheitskomplexes kann man dem Verfasser schwerlich den Vorwurf machen, dass er nicht auf alle Protagonisten ausführlich eingegangen ist. Erwähnenswert sind in diesem Zusammenhang etwa die sogenannten Experten für Verschwörungstheorien, welche dem Medienkonsumenten erklären, warum es sich bei den narrativkritischen Positionen grundsätzlich (nur) um Verschwörungstheorien handelt. Genau diese Experten werden aber das Thema meines bald erscheinenden Buches „Wer ist hier ein Schwurbler? Die Anti-Verschwörungs-Forschung auf dem Prüfstand“ sein. Angesichts der quantitativen Dimension des Wahrheitskomplexes stellt die entsprechende Arbeitsteilung im „Schwurblerkomplex“ eine obligatorische Konsequenz dar.
Ronald Bilik